Blau lockt an – Spa Francorchamps/Bikers Classic 2018

Es gibt Geschenke die nimmt man gerne an und auf die freut man sich schon ab dem Moment wenn man sie in Händen hält.

Wenn man von guten Freunden zum Geburtstag Eintrittskarten für die 16. Bikers Classic in Spa Francorchamps geschenkt bekommt, dann ist das so etwas Besonderes. Schon seit vielen Jahren werden die Berichte in der Fachliteratur über diese Veranstaltung mit Interesse gelesen und jetzt war es soweit – wir fahren nach Belgien.

Seit 1921 wird hier Rennsport-Geschichte geschrieben. Hier gewann Michael Schumacher 1992 sein erstes Formel 1 Rennen. Auf dieser Ardennen-Achterbahn zu fahren bedeutet aus Jungs werden Männer. Wer einmal gesehen hat wie die „ Eau Rouge“ durchfahren wird, weiß, warum das so ist. Auf der 7 km-Runde ist ein Höhenunterschied von 100 Metern.

Zurück zur Bikers Classic. Der Begriff „Classic“ in Verbindung mit Zweirädern ist natürlich dehnbar. Was für meine Jungs schon altes Zweiradmaterial darstellt, ist für meine Begriffe eben erst vom Band gelaufen. Dazu zählen meinem Empfinden nach Zweiräder aus den 70er, 80er und 90er Jahren.

Zwei Aspekte muss man dazu in die Waagschale werfen. Erstens, man wird nicht jünger und vergisst allzu schnell in welcher Altersliga man unterwegs ist. Zweitens, nicht nur man selbst, sondern auch ein Motorrad Baujahr 1990 hat mittlerweile schon 28 Jahre auf dem Buckel.

Bei der Bikers Classic reden wir nicht von Serienmaschinen sondern ausschließlich von Rennmotorrädern ab der Nachkriegszeit, wobei das Gros der Maschinen die Zeit der 70er bis in die 90er Jahre abbildet. Was wurde damals auf den Rennstrecken der Welt bewegt?

In Berlin kam man auf die Idee die König-Bootsmotoren in Rennmotorräder einzubauen, die Werks-Ducatis wurden von NCR in Bologna getunt, Ralf Waldmann war Vize-Weltmeister auf Honda, Helmut Dähne war mit BMW, RC 30 und GSX-R unterwegs, Goudier-Genoud baute Endurance-Kawasakis auf, Frankie Chili und Carl Fogarty mischten die Superbike-Klasse auf, Freddy Spencer, Barry Sheene, Giacomo Agostini, die Reihe der Namen könnte endlos fortgesetzt werden, alle waren sie schon auf der Bikers Classic in Spa zu Gast und jetzt bin ich auch da.

Noch bevor man durch einen Tunnel unter der Rennstrecke ins Fahrerlagen kommt ist ein Teilmarkt aufgebaut. Zweirad-Altmetall zieht magisch an, auch wenn das Material hier eigentlich zu neu ist. Am letzten Stand in der Reihe steht ein schwedischer Transporter und davor eine Reihe mit Teilekisten. Aber was steht noch an dem Stand? Ein Moped in der Farbe die jeden Victorianer sofort anlockt. Vicky III in Originallack, toller Zustand, zum Schnapperpreis von 2500 Euro. Ja, es waren Euro und keine Schwedische Kronen.

Die Rennen waren Klasse, das Wetter perfekt (fast schon zu heiß), die Strecke für Zuschauer ein Traum, Rennsport hautnah, mal wieder gespürt wie der Boden vibriert wenn eine Norton Manx in der Warmlaufphase aufgepumpt wird – das ist nicht zu toppen.

Am Sonntagmittag stand die Vicky immer noch am Stand, war wohl nicht das richtige Publikum für ein Oldtimer-Moped. Fürs gleiche Geld waren auch fette Suzukis, Kawas und Hondas zu haben, aber was ist das schon gegen eine Vicky im Originalzustand?

 

Manni Sprenger

 

http://www.bikersclassics.be

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