Zum Victoriatreffen 2026 bei unseren Typreferenten Anton Grabinger.
Victoria KR 17 Parilla
Wenn wir über die glorreiche Motorradgeschichte der Nürnberger Victoria-Werke sprechen, denken die meisten sofort an Meilensteine wie die KR 25, die mächtige Bergmeister oder die flinke Vicky. Doch kurz vor dem Ende der eigenständigen Motorradproduktion im Jahr 1958 entstand ein faszinierender Exot, der heute zu den absolut seltensten Perlen unserer Markengeschichte zählt: Die Victoria KR 17 Parilla (intern oft als KR 17 P geführt).
Die Ausgangslage: Not macht erfinderisch
Mitte der 1950er-Jahre steckte der deutsche Motorradmarkt in einer schweren Krise. Die Kundschaft verlangte nach moderneren, sportlicheren Viertaktmotoren in den mittleren Hubraumklassen. Victoria selbst fehlte in der Klasse bis 175 cm³ ein konkurrenzfähiges Viertakt-Triebwerk, und die finanziellen Mittel für eine komplette Eigenentwicklung waren knapp.
Die Lösung lag jenseits der Alpen: Man ging eine Kooperation mit dem italienischen Edelschmiede Moto Parilla ein. Das Ergebnis dieser deutsch-italienischen Ehe wurde 1957 präsentiert und sollte das letzte „echte“ Motorradmodell sein, das den Namen Victoria trug, bevor die Produktion durch die Fusion zur Zweirad-Union umgestellt wurde.
Das Herzstück: Italienisches Temperament
Das Highlight der KR 17 P war zweifellos der importierte 175-cm³-Viertakt-OHV-Motor von Moto Parilla. Der fahrtwindgekühlte Einzylinder war für seine Zeit äusserst drehfreudig und sportlich ausgelegt. Victoria bot die Maschine in zwei Leistungstufen an:
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- Standard-Version: Alltagstaugliche 10,4 PS
- Sport-Version: Kernige 14,2 PS, die für ein echtes Sportwagen-Gefühl auf zwei Rädern sorgten.
Das Fahrwerk: Nürnberger Präzision
Während der Motor aus Italien stammte, bewies Victoria beim Fahrgestell seine eigene Ingenieurskunst. Konstrukteur Ernst Wüstenhagen entwarf für die Parilla ein hochmodernes Vollschwingenfahrwerk. Sowohl das Vorder- als auch das Hinterrad wurden von nadelgelagerten Schwingen geführt.
Dieses Fahrwerk harmonierte perfekt mit dem spritzigen Motor. Das Ergebnis war ein Motorrad mit einem für die späten 50er-Jahre überragenden, stabilen und sportlichen Fahrverhalten. Kein Wunder, dass der hochtourige Motor auch schnell das Interesse von Privatfahrern für Bergrennen und Zuverlässigkeitsfahrten weckte.
Warum sie heute ein Phantom ist
Die Victoria Parilla war kein Misserfolg ab Werk, sondern schlicht ein Opfer des Timings. Durch die extrem kurze Bauzeit von 1957 bis 1958 und das schnelle Ende der Motorradfertigung bei Victoria wurden nur knapp 400 Exemplare gebaut.
Heute schätzen Experten, dass weltweit nur noch etwa 40 bis 50 fahrbereite oder restaurierbare Maschinen existieren. Das macht die KR 17 P zu einem der gesuchtesten Sammlerstücke für jeden Victoria-Enthusiasten. Während unrestaurierte Basismodelle ab ca. 2’800 € gehandelt werden, knacken top-restaurierte Exemplare im Originalzustand spielend die 5’000-Euro-Marke – wenn überhaupt mal eine auf den Markt kommt.
Fazit
Die Victoria KR 17 Parilla verbindet deutsche Fahrwerkspräzision mit italienischer Motoren-Leidenschaft. Sie steht für den mutigen Versuch, sich mit technischer Innovation gegen die Krise zu stemmen, und bleibt ein faszinierendes, seltenes Denkmal am Ende einer grossen Motorrad-Ära in Nürnberg.



