{"id":5505,"date":"2019-04-29T05:00:52","date_gmt":"2019-04-29T05:00:52","guid":{"rendered":"http:\/\/victoria-ig.de\/?p=5505"},"modified":"2019-04-29T07:00:20","modified_gmt":"2019-04-29T07:00:20","slug":"kr-35-pionier-im-rennsport","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/victoria-ig.de\/?p=5505","title":{"rendered":"KR 35 Pionier im Rennsport"},"content":{"rendered":"<p><strong>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger<\/strong><\/p>\n<p>Und hier nochmals der gesamte Bericht.<\/p>\n<p>Der Pionier-Motor hatte offensichtlich das Potential zu mehr, als nur in einem biederen Alltagsmotorrad durch die Welt zu tuckern. Es brauchte nur die Menschen, um dieses Potential auszusch\u00f6pfen und mit den richtigen Ma\u00dfnahmen zur Leistungssteigerung die Mehr-PS herauszukitzeln. Da man bei Victoria schon ab 1939, also schon ein halbes Jahr nach Produktionsbeginn, mit R\u00fcstungsauftr\u00e4gen in Form der Pionier KR 35 WH\u00a0 ausgelastet war und im gleichen Jahr der 2.Weltkrieg seinen unheilnehmenden Anfang fand, war an eine echte Rennsportversion f\u00fcr die Stra\u00dfe werksseitig nicht zu denken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5483\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-300x209.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-768x536.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-150x105.jpg 150w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg 1329w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem Krieg sah die Welt komplett anders aus. Die deutschen St\u00e4dte waren zerst\u00f6rt und die Industrieanlagen, so sie den Bombenangriffen \u00fcberstanden hatten, wurden von den Siegerm\u00e4chten demontiert. Die Menschen hatten andere Sorgen als Motorradrennen, etwas zu Essen auf dem Tisch und ein Dach \u00fcber dem Kopf waren die \u00fcberlebensnotwendigen Dinge die organisiert werden mussten. Und doch gab es Motorsportverr\u00fcckte die sich ihre Leidenschaft \u00fcber den Krieg hinaus bewahrt haben und die darauf brannten endlich wieder loszulegen. Es dauerte auch nicht lange bis die ersten Motorradrennen veranstaltet wurden. Es waren keine Gel\u00e4ndesportveranstaltungen mit Serienmaschinen zur Wehrert\u00fcchtigung wie vor dem Krieg, davon hatten die Menschen die Nase voll, sondern Stra\u00dfenrennen die oftmals in den eben erst von Bombenschutt freiger\u00e4umten Innenst\u00e4dten organisiert wurden. Diese Rennen waren echte Publikumsmagnete, die Zuschauerzahlen schwankten je nach Veranstaltungsort zwischen 25.000 und 100.000. Die Menschen wollten nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren wieder so etwas wie Freizeit erleben. Es gab wohl hier und dort wieder etwas Benzin zu kaufen, was es aber nicht gab, waren neue Rennmotorr\u00e4der. Es gab nicht eimal eine funktionierende Serienproduktion von Alltagsmaschinen. Wer also eine echte Rennmaschine in den Wirren der Zeit verstecken konnte und diese den Krieg \u00fcberstanden hatte, konnte diesen Schatz jetzt wieder ans Tageslicht holen. Bis Anfang der 50er Jahre die deutschen Motorradfabriken langsam wieder in die G\u00e4nge kamen, basierten alle Rennmaschinen auf Vorkriegsmaterial, es war also rennsporttechnischer Stillstand \u00fcber einen Zeitraum von \u00fcber 10 Jahren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5480\" aria-describedby=\"caption-attachment-5480\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5480 size-large\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-300x199.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-768x508.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5480\" class=\"wp-caption-text\">Harald Oelerich als Privatfahrer 1949 beim Rennen in M\u00fcnchen-Riem mit seiner Pionier mit der Startnummer 62.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer dieser Motorsportinfizierten brannte darauf wieder Rennen zu fahren: Harald Oelerich. Geboren am 21. 9.1921, aufgewachsen in der Kleinstadt Markkleeberg s\u00fcdlich von Leipzig, sammelte er dort schon mit 17 Jahren erste motorsportliche Erfahrungen bei Gel\u00e4ndewettbewerben die vom NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer Korps) organisiert wurden. Mehrere Siegerpl\u00e4tze fuhr er auf seiner Aero KR 25 S heraus. Daraufhin bekam er im September 1938 vom Victoria-Werk eine Bronzene Plakette f\u00fcr seine Erfolge \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Die Begeisterung f\u00fcr Motoren war ihm vom Vater in die Wiege gelegt worden. Oberingenieur Heinrich Oelerich legte 1910 als 37. deutscher Flugzeug\u00fchrer seine Pilotenpr\u00fcfung ab. Er arbeitete als Konstrukteur und Chefpilot bei der Deutschen Flugzeug GmbH in Leipzig. Im Juli 1914 stellt er mit einer DFW-CV mit 8150 Metern einen neuen H\u00f6henflugrekord auf.<\/p>\n<p>Der Sohn Harald studierte Maschinenbau im Schnellstudium und war schon 1939 als Werkstudent w\u00e4hrend der Semesterferien zwei Monate bei Victoria. Dann waren zwei Jahre Wehrdienst angesagt, er wurde zur MAN geholt, anschlie\u00dfend zur Torpedo-Versuchsanstalt nach Eckernf\u00f6rde, wo er bis Kriegsende blieb.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg zog die Familie nach Freising bei M\u00fcnchen; Harald war mittlerweile 26 Jahre alt und in seinen besten Jugendjahren hatte er nur Krieg erlebt. Irgendwie hatte er seine Aero KR 25 S \u00fcber den Krieg gerettet und er schaffte es auch 1947 eine Victoria Pionier zu bekommen. Vermutlich war es eine Vorkriegsmaschine und keine der ca. 500 Pioniere die nach dem Krieg bei Victoria zusammengeschraubt wurden; in einem Brief erw\u00e4hnt Oelerich als Baujahr 1939. Sein Plan muss von Anfang an gewesen sein mit dieserm Motorrad bei Rennveranstaltungen mitzufahren.<\/p>\n<p>Auf Anfrage im Werk nach einem Rennb\u00fcgel f\u00fcr den Hinterradkotfl\u00fcgel wird ihm zwar gesagt das dieser nicht lieferbar sei, aber es wurde einer f\u00fcr ihn angefertigt und f\u00fcr 12 Reichsmark plus Porto und Verpackung zugeschickt. Die Bestelllisten des Jahres 1947 von Pionier-Ersatzteilen, die er direkt ans Werk nach N\u00fcrnberg schickte, werden immer l\u00e4nger: Ventilfedern, Dichtungen, Fu\u00dfrasten, Kolbenbolzen und -b\u00fcchsen, Steckachse, Bowdenz\u00fcge, Spezialabzieher, Kupplungsfeder usw. usw. &#8230;.und zu guter letzt: ein wenig Victoria-graue Farbe. Der Anfrage nach dem Lack konnte leider nicht erf\u00fcllt werden, weil, so w\u00f6rtlich \u201e..uns die Beschaffung desselben augenblicklich gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten bereitet\u201d. Wegen Beschaffung von Ketten und Getriebeteilen verweist das Werk direkt an die Hersteller Ruberg &amp; Renner in Hagen, sowie GETRAG, Getriebe- und Zahnradfabrik, Ludwigsburg.<\/p>\n<p>Am 7.\u2005September 1947 startete Harald Oelerich beim \u201eRundstreckenrennen in N\u00fcrnberg\u201c und belegte den 3.\u2005Platz in der Ausweisfahrerklasse bis 350\u2005ccm. Im darauffolgenden Winter besch\u00e4ftigte er sich intensiv mit dem Motor, wo auch immer organisierte er speziell angefertigte Rennkolben, bestellte Ersatzteile bei der Victoria Reparaturabteilung und erkundigte sich dort im Januar 1948 ob eine Feinwuchtung der Kurbelwelle m\u00f6glich sei, die auf das Gewicht des leichteren Rennkolbens abgestimmt sein sollte.<\/p>\n<p>Bei Victoria, namentlich in Person von Reparaturmeister Lei\u00dfner, konnte man nicht anders, als diese Anfrage abzulehnen, es fehlten im Werk die technischen M\u00f6glichkeiten und es war eine ung\u00fcnstige Zeit.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5488\" aria-describedby=\"caption-attachment-5488\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer1.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5488 size-large\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer1-1024x462.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer1-1024x462.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer1-300x135.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer1-768x346.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5488\" class=\"wp-caption-text\">Hofer Dreieckrennen 1948<\/figcaption><\/figure>\n<p>Das Victoria Werk in der Ludwig-Feuerbach-Stra\u00dfe war zu 80 Prozent zerst\u00f6rt und die verbliebenen Victorianer hatten andere Sorgen als Motorradrennen, es ging darum eine funktionierende Produktion, von was auch immer, auf die Beine zu stellen. Man kann davon ausgehen, das ein Gro\u00dfteil der Werkzeuge und Fertigungsanlagen unbrauchbar war und unter den zusammengebombten Werkshallen begraben lagen.<\/p>\n<p>Oelerich bekam tats\u00e4chlich vom Werk eine neue Kurbelwelle geschickt die leider eine Unwucht von 1,5 mm hatte und somit unbrauchbar war.<\/p>\n<p>&nbsp;<\/p>\n<figure id=\"attachment_5489\" aria-describedby=\"caption-attachment-5489\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5489 size-large\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2-1024x462.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"298\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2-1024x462.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2-300x135.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2-768x347.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/hofer2.jpg 2015w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5489\" class=\"wp-caption-text\">Hofer Dreieckrennen 1948<\/figcaption><\/figure>\n<p>Am 15. Mai 1948 starte Harald Oelerich erneut beim \u201eRundstreckenrenen in N\u00fcrnberg\u201c. Das Pech holte ihn ein, als er an erster Stelle liegend mit einer gerissenen Primarkette ausgefiel. Eine neue Ersatzkette vom Hersteller Ruberg &amp; Renner, die er dabei hatte, war an den H\u00fclsen so vom Rost angenagt, das er sie nicht verwenden wollte. Eine bessere Qualit\u00e4t konnte weder vom Hersteller noch von Victoria geliefert werden, als er nach einer neuen Kette anfragte. Es wurde ihm aber empfohlen \u201e&#8230;nicht mit gro\u00dfer Geschwindigkeit zu fahren, da sonst durch \u00fcberraschendes Rei\u00dfen das Motorgeh\u00e4use und dar\u00fcber hinaus der Fahrer zu Schaden kommen k\u00f6nnte\u201c \u2013 ein goldrichtiger Tipp f\u00fcr einen Rennfahrer, den Oelerich sicher mit Begeisterung aufgenommen hat.<\/p>\n<p>Bei den restlichen Rennen die Oelerich im Jahr 1948 bestritt, lief die Pionier mit einer Spitze von 135 km\/h sehr zuverl\u00e4ssig, wie die Platzierungen zeigen:<\/p>\n<p>8.8.\u00a0\u00a0\u00a0 Ulmer Stadtringrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>12.9.\u00a0 Rundstreckenrennen N\u00fcrnberg\u00a0\u00a0 3. Platz<\/p>\n<p>26.9.\u00a0 Hofer Dreieckrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 1. Platz<\/p>\n<p>10.10. M\u00fcnchner Rundstreckenrennen 2. Platz<\/p>\n<p>17.10. Quer durch Rosenheim \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>Nach der Rennsaison bekam er die M\u00f6glichkeit angeboten im Werk einen neuen Reservemotor zum Preis von 650 DM zu kaufen, mit dem Hinweis, das es sich um einen \u201enormalen und nicht um einen frisierten Motor handelt\u201c. Daf\u00fcr fehlte allerdings das Geld, weshalb er erneut an Victoria schreibt und um Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Renneins\u00e4tze bittet. Seine Lage sch\u00e4tzt er realistisch ein und schildert dies in einem Brief an Victoria: \u201eDa ich n\u00e4chstes Jahr als Lizenzfahrer starten muss, bleiben mir drei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ol>\n<li>meine zwei Victorias (250+350 ccm) zu verkaufen und eine andere, richtige Rennmaschine daf\u00fcr zu erwerben. 2. Auf Grund meiner finanziellen Lage die Maschine nicht zu verbessern und damit dauernd als Schlu\u00dflicht hinterherzufahren (was bestimmt dann keinen guten Eindruck mehr hinterl\u00e4sst) und 3. dass mir die Victoria Werke ein wenig unter die Arme greifen (evt. auch durch Anfertigung einiger Teile, es handelt sich dabei um wirklich nicht viel). Die 3. M\u00f6glichkeit w\u00e4re mir das Angenehmste, denn ich k\u00f6nnte dann weiterhin Victoria fahren. Das ich nicht bei evtl. Lieferung von Teilen etc. diesselben f\u00fcr dunkle Gesch\u00e4fte missbrauche, k\u00f6nnen sie mir glauben.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach diesem Brief haben die Victorianer die Notbremse gezogen, es war mittlerweile klar, dass hier ein sehr ambitionierter und ehrgeiziger junger Mann seine Leidenschaft an die Rennfahrerei verloren hatte, dem konnten das Victoria Werk nicht mehr gerecht werden. In einem ausf\u00fchrlichen Brief an Oelrich wird dies geschildert:<\/p>\n<p>\u201eWenn uns auch ihre Starts keinen ideelen Nutzen bringen, ja vielleicht eher ungenehm sind, weil unter den Verh\u00e4ltnissen, unter welchen sie fahren m\u00fcssen, garnicht die Erfolge zu erwarten sind, die eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr ihre M\u00fche die sie sich machen, darstellen k\u00f6nnen, so sind wir andererseits aber garnicht in der Lage, sie technisch so zu unterst\u00fctzen, wie es erforderlich w\u00e4re, weil wir tats\u00e4chlich alles an Vorrichtungen und Werkzeugen aus der Motorradfertigung verloren haben und keinerlei Ersatzteile aus der fr\u00fcheren Rennabteilung besitzen. Wir haben jetzt auch garnicht die Zeit, um uns mit solchen Problemen zu befassen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind wir bei \u00dcberp\u00fcfung der von ihnen aufgestellten drei M\u00f6glichkeiten\u00a0 zu der \u00dcberzeugung gekommen, dass es f\u00fcr sie nichts Besseres gibt, als \u2013 wenn sie schon rennen wollen \u2013 sich auch eine wirkliche Rennmaschine zuzulegen. Das was sie bisher mit anerkennenswertem Flei\u00df gemacht haben, geht nur bis zu einer gewissen Grenze und dann muss die Fabrik mit eingreifen, wozu wir \u2013 wie wir ihnen offen sagen \u2013 bis auf weiteres nicht in der Lage sind. Wir sind auf diesen Standpunkt gekommen, nicht weil er der augenblicklich bequemere ist, sondern haben eingehend mit unserern Technikern im Betrieb gesprochen und auch Herrn Rie\u00df zu Rate gezogen, der sie ja pers\u00f6nlich gut kennt. Es ist dies zwar nicht das was sie erwartet haben, aber bei reiflicher \u00dcberlegung werden sie selbst zu der Einsicht kommen, dass es das Beste ist, was sie z.Zt. tun k\u00f6nnen. Sollten sie auf dem Behelfsweg weiter machen wollen, so empfehlen wir ihnen sich einmal an die Firma Horex-Columbus-Werk, Bad Homburg v. d. H\u00f6he, zu wenden, die im wesentlichen den gleichen Motor hergestellt und noch Bestandteile zum frisieren von Motoren oder vielleicht auch einen Rennmotor haben k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Ein interessanten Aspekt ist dabei der Hinweis, das bei Horex der gleiche Motor hergestellt wurde. Das l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, das die Motoren nicht wie immer angenommen, ausschlie\u00dflich von den Columbus Motorenwerken bezogen wurden, sondern auch in N\u00fcrnberg bei Victoria produziert wurden.<\/p>\n<p>Genau zwei Wochen sp\u00e4ter, am 16.11.1949, solange hat er wohl \u00fcberlegt was zu tun ist, schreibt Oelerich an Horex mit der Anfrage nach einem Alu-Zylinderkopf und verst\u00e4rkten Pleuel. Der Chef Fritz Kleemann antwortet ihm pers\u00f6nlich und vertr\u00f6stet ihn auf das n\u00e4chste Fr\u00fchjahr, weil sich im Moment alle Kapazit\u00e4ten auf die Serienfertigung konzentrieren und erst dann evt. Sonderw\u00fcnsche ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5481\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-1024x608.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-1024x608.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-300x178.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-768x456.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Beim Schwiegersohn von Kleemann, Herrn Fischer, der in der Gesch\u00e4ftsleitung t\u00e4tig ist, st\u00f6\u00dft er auf offene Ohren und in einem Brief vom 21.6.1949 schreibt dieser: \u201eWir sind selbstverst\u00e4ndlich bereit, sie in der Zukunft zu unterst\u00fctzen, sobald es die Verh\u00e4ltnisse zulassen. Bei Produktionsanlauf unserer Neukonstruktion (Anm. der Redaktion: Modell Regina) werden wir ihnen daher die M\u00f6glichkeit geben, auf einem Fahrzeug zu starten, das ihnen die notwendigen Erfolgs-Chancen sichert. Es w\u00e4re daher gut, wenn sie es in absehbarer Zeit erm\u00f6glichen k\u00f6nnten, uns zu besuchen, damit wir an Ort und Stelle die einzelnen Punkte besprechen.\u201c<\/p>\n<p>Die komplette Saison fuhr Oelerich noch seine Pionier als Lizenzfahrer mit einigen guten Ergebnissen. Leider existiert nach dem Juli 1949 kein Fotomaterial auf dem zu erkennen w\u00e4re, ob er mit Horex oder noch immer mit einer Victoria startete. Anzunehmen ist, das er seine Pionier kurzerhand in eine Horex umtaufte, weil er seine Ersatzteile ab sofort aus Bad Homburg bezog. Ein Horex-Tank war zumindest auf einer seiner Bestellungen aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Platzierungen in den Rennen im Jahr 1949 waren wie folgt:<\/p>\n<p>22.5.\u00a0 Eifelpokalrennen N\u00fcrburgring\u00a0\u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>5.6.\u00a0\u00a0\u00a0 Riemer Rundstreckenrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>12.6.\u00a0 Rund um Schotten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>26.6.\u00a0 T\u00fcbinger Stadtringrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 12. Platz<\/p>\n<p>31.7.\u00a0 Bergpreis Freiburg Schauinsland 5. Platz<\/p>\n<p>15.8.\u00a0 Rund um Ingolstadt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0 7. Platz<\/p>\n<p>21.8.\u00a0 Hofer Dreieckrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0 \u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7. Platz<\/p>\n<p>28.8.\u00a0 Stadtrennen Bad Reichenhall\u00a0 \u00a0 \u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>18.9.\u00a0 Solitude Rennen Stuttgart\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 \u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>25.9.\u00a0 Rundstreckenrennen N\u00fcrnberg\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5482\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-705x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"959\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-705x1024.jpg 705w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-207x300.jpg 207w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-768x1115.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde.jpg 787w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Was danach geschah ist in kurzen Worten erkl\u00e4rt. Harald Oelerich war kein Mann von halben Sachen, Ende des Jahres 1949 kaufte er sich eine AJS 7R Boyracer \u00fcber den Importeur Lohmann &amp; Louis (die Vorg\u00e4ngerfirma vom heutigen Motorradzubeh\u00f6rh\u00e4ndler Louis) in Hamburg. Dieses Rennmotorrad war international in der 350er Klasse das Ma\u00df der Dinge und kostet ein kleines Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Nach diesem AJS-Diskurs, der nur ein paar Monate andauerte, kontaktete er wieder ausf\u00fchrlich mit dem Horex-Leuten in Bad Homburg, fuhr das neue Modell Regina als Teilnehmer der Horex-Mannschaft bei der ADAC-Deutschlandfahrt mit einer Auszeichnung in Gold. Harald Oelerich wurde festangestellter Mitarbeiter, Rennfahrer und Versuchsingenieur der Horex Werke \u2013 es war sein Traumberuf, in den er all seine Energie investierte.<\/p>\n<p>Seine Kontake zu Victoria lies er nie ganz einschlafen und so wechselte er 1954 nach N\u00fcrnberg zu den Victoria Werken um, wie schon bei der Horex Regina, bei der Entwicklung der V35 Bergmeister ma\u00dfgeblich mitzuwirken.<\/p>\n<p>Aber das ist eine andere Geschichte \u00fcber die noch ausf\u00fchrlich berichtet werden soll.<\/p>\n<p><strong>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger<\/strong><\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger Und hier nochmals der gesamte Bericht. Der Pionier-Motor hatte offensichtlich das Potential zu mehr, als nur in einem biederen Alltagsmotorrad durch die Welt zu tuckern. Es brauchte nur die Menschen, um dieses Potential auszusch\u00f6pfen und mit den richtigen Ma\u00dfnahmen zur Leistungssteigerung die Mehr-PS herauszukitzeln. Da man bei Victoria &hellip; <a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/?p=5505\" class=\"more-link\"><span class=\"screen-reader-text\">KR 35 Pionier im Rennsport<\/span> weiterlesen<\/a><\/p>\n","protected":false},"author":1,"featured_media":0,"comment_status":"open","ping_status":"open","sticky":false,"template":"","format":"standard","meta":{"footnotes":""},"categories":[1],"tags":[],"class_list":["post-5505","post","type-post","status-publish","format-standard","hentry","category-uncategorized"],"_links":{"self":[{"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5505","targetHints":{"allow":["GET"]}}],"collection":[{"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts"}],"about":[{"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/types\/post"}],"author":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/users\/1"}],"replies":[{"embeddable":true,"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcomments&post=5505"}],"version-history":[{"count":0,"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=\/wp\/v2\/posts\/5505\/revisions"}],"wp:attachment":[{"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fmedia&parent=5505"}],"wp:term":[{"taxonomy":"category","embeddable":true,"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Fcategories&post=5505"},{"taxonomy":"post_tag","embeddable":true,"href":"https:\/\/victoria-ig.de\/index.php?rest_route=%2Fwp%2Fv2%2Ftags&post=5505"}],"curies":[{"name":"wp","href":"https:\/\/api.w.org\/{rel}","templated":true}]}}