{"id":5492,"date":"2019-04-07T05:00:21","date_gmt":"2019-04-07T05:00:21","guid":{"rendered":"http:\/\/victoria-ig.de\/?p=5492"},"modified":"2019-04-03T20:25:11","modified_gmt":"2019-04-03T20:25:11","slug":"kr-35-pionier-im-rennsport-iii","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/victoria-ig.de\/?p=5492","title":{"rendered":"KR 35 Pionier im Rennsport III"},"content":{"rendered":"<p><strong>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger<\/strong><\/p>\n<p>Teil 3 von 3<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5483\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-300x209.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-768x536.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-150x105.jpg 150w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg 1329w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a>Nach der Rennsaison bekam er die M\u00f6glichkeit angeboten im Werk einen neuen Reservemotor zum Preis von 650 DM zu kaufen, mit dem Hinweis, das es sich um einen \u201enormalen und nicht um einen frisierten Motor handelt\u201c. Daf\u00fcr fehlte allerdings das Geld, weshalb er erneut an Victoria schreibt und um Unterst\u00fctzung f\u00fcr seine Renneins\u00e4tze bittet. Seine Lage sch\u00e4tzt er realistisch ein und schildert dies in einem Brief an Victoria: \u201eDa ich n\u00e4chstes Jahr als Lizenzfahrer starten muss, bleiben mir drei M\u00f6glichkeiten:<\/p>\n<ol>\n<li>meine zwei Victorias (250+350 ccm) zu verkaufen und eine andere, richtige Rennmaschine daf\u00fcr zu erwerben. 2. Auf Grund meiner finanziellen Lage die Maschine nicht zu verbessern und damit dauernd als Schlu\u00dflicht hinterherzufahren (was bestimmt dann keinen guten Eindruck mehr hinterl\u00e4sst) und 3. dass mir die Victoria Werke ein wenig unter die Arme greifen (evt. auch durch Anfertigung einiger Teile, es handelt sich dabei um wirklich nicht viel). Die 3. M\u00f6glichkeit w\u00e4re mir das Angenehmste, denn ich k\u00f6nnte dann weiterhin Victoria fahren. Das ich nicht bei evtl. Lieferung von Teilen etc. diesselben f\u00fcr dunkle Gesch\u00e4fte missbrauche, k\u00f6nnen sie mir glauben.\u201c<\/li>\n<\/ol>\n<p>Nach diesem Brief haben die Victorianer die Notbremse gezogen, es war mittlerweile klar, dass hier ein sehr ambitionierter und ehrgeiziger junger Mann seine Leidenschaft an die Rennfahrerei verloren hatte, dem konnten das Victoria Werk nicht mehr gerecht werden. In einem ausf\u00fchrlichen Brief an Oelrich wird dies geschildert:<\/p>\n<p>\u201eWenn uns auch ihre Starts keinen ideelen Nutzen bringen, ja vielleicht eher ungenehm sind, weil unter den Verh\u00e4ltnissen, unter welchen sie fahren m\u00fcssen, garnicht die Erfolge zu erwarten sind, die eine Entsch\u00e4digung f\u00fcr ihre M\u00fche die sie sich machen, darstellen k\u00f6nnen, so sind wir andererseits aber garnicht in der Lage, sie technisch so zu unterst\u00fctzen, wie es erforderlich w\u00e4re, weil wir tats\u00e4chlich alles an Vorrichtungen und Werkzeugen aus der Motorradfertigung verloren haben und keinerlei Ersatzteile aus der fr\u00fcheren Rennabteilung besitzen. Wir haben jetzt auch garnicht die Zeit, um uns mit solchen Problemen zu befassen.<\/p>\n<p>Aus diesem Grund sind wir bei \u00dcberp\u00fcfung der von ihnen aufgestellten drei M\u00f6glichkeiten\u00a0 zu der \u00dcberzeugung gekommen, dass es f\u00fcr sie nichts Besseres gibt, als \u2013 wenn sie schon rennen wollen \u2013 sich auch eine wirkliche Rennmaschine zuzulegen. Das was sie bisher mit anerkennenswertem Flei\u00df gemacht haben, geht nur bis zu einer gewissen Grenze und dann muss die Fabrik mit eingreifen, wozu wir \u2013 wie wir ihnen offen sagen \u2013 bis auf weiteres nicht in der Lage sind. Wir sind auf diesen Standpunkt gekommen, nicht weil er der augenblicklich bequemere ist, sondern haben eingehend mit unserern Technikern im Betrieb gesprochen und auch Herrn Rie\u00df zu Rate gezogen, der sie ja pers\u00f6nlich gut kennt. Es ist dies zwar nicht das was sie erwartet haben, aber bei reiflicher \u00dcberlegung werden sie selbst zu der Einsicht kommen, dass es das Beste ist, was sie z.Zt. tun k\u00f6nnen. Sollten sie auf dem Behelfsweg weiter machen wollen, so empfehlen wir ihnen sich einmal an die Firma Horex-Columbus-Werk, Bad Homburg v. d. H\u00f6he, zu wenden, die im wesentlichen den gleichen Motor hergestellt und noch Bestandteile zum frisieren von Motoren oder vielleicht auch einen Rennmotor haben k\u00f6nnten.\u201c<\/p>\n<p>Ein interessanten Aspekt ist dabei der Hinweis, das bei Horex der gleiche Motor hergestellt wurde. Das l\u00e4sst darauf schlie\u00dfen, das die Motoren nicht wie immer angenommen, ausschlie\u00dflich von den Columbus Motorenwerken bezogen wurden, sondern auch in N\u00fcrnberg bei Victoria produziert wurden.<\/p>\n<p>Genau zwei Wochen sp\u00e4ter, am 16.11.1949, solange hat er wohl \u00fcberlegt was zu tun ist, schreibt Oelerich an Horex mit der Anfrage nach einem Alu-Zylinderkopf und verst\u00e4rkten Pleuel. Der Chef Fritz Kleemann antwortet ihm pers\u00f6nlich und vertr\u00f6stet ihn auf das n\u00e4chste Fr\u00fchjahr, weil sich im Moment alle Kapazit\u00e4ten auf die Serienfertigung konzentrieren und erst dann evt. Sonderw\u00fcnsche ber\u00fccksichtigt werden k\u00f6nnen.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5481\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-1024x608.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"392\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-1024x608.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-300x178.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_boyracer-768x456.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Beim Schwiegersohn von Kleemann, Herrn Fischer, der in der Gesch\u00e4ftsleitung t\u00e4tig ist, st\u00f6\u00dft er auf offene Ohren und in einem Brief vom 21.6.1949 schreibt dieser: \u201eWir sind selbstverst\u00e4ndlich bereit, sie in der Zukunft zu unterst\u00fctzen, sobald es die Verh\u00e4ltnisse zulassen. Bei Produktionsanlauf unserer Neukonstruktion (Anm. der Redaktion: Modell Regina) werden wir ihnen daher die M\u00f6glichkeit geben, auf einem Fahrzeug zu starten, das ihnen die notwendigen Erfolgs-Chancen sichert. Es w\u00e4re daher gut, wenn sie es in absehbarer Zeit erm\u00f6glichen k\u00f6nnten, uns zu besuchen, damit wir an Ort und Stelle die einzelnen Punkte besprechen.\u201c<\/p>\n<p>Die komplette Saison fuhr Oelerich noch seine Pionier als Lizenzfahrer mit einigen guten Ergebnissen. Leider existiert nach dem Juli 1949 kein Fotomaterial auf dem zu erkennen w\u00e4re, ob er mit Horex oder noch immer mit einer Victoria startete. Anzunehmen ist, das er seine Pionier kurzerhand in eine Horex umtaufte, weil er seine Ersatzteile ab sofort aus Bad Homburg bezog. Ein Horex-Tank war zumindest auf einer seiner Bestellungen aufgef\u00fchrt.<\/p>\n<p>Die Platzierungen in den Rennen im Jahr 1949 waren wie folgt:<\/p>\n<p>22.5.\u00a0 Eifelpokalrennen N\u00fcrburgring\u00a0\u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>5.6.\u00a0\u00a0\u00a0 Riemer Rundstreckenrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>12.6.\u00a0 Rund um Schotten\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>26.6.\u00a0 T\u00fcbinger Stadtringrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 12. Platz<\/p>\n<p>31.7.\u00a0 Bergpreis Freiburg Schauinsland 5. Platz<\/p>\n<p>15.8.\u00a0 Rund um Ingolstadt\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7. Platz<\/p>\n<p>21.8.\u00a0 Hofer Dreieckrennen\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 7. Platz<\/p>\n<p>28.8.\u00a0 Stadtrennen Bad Reichenhall\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 2. Platz<\/p>\n<p>18.9.\u00a0 Solitude Rennen Stuttgart\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0\u00a0 Ausfall<\/p>\n<p>25.9.\u00a0 Rundstreckenrennen N\u00fcrnberg\u00a0 Ausfall<\/p>\n<figure id=\"attachment_5482\" aria-describedby=\"caption-attachment-5482\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5482 size-large\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-705x1024.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"959\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-705x1024.jpg 705w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-207x300.jpg 207w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde-768x1115.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/oelerich_urkunde.jpg 787w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5482\" class=\"wp-caption-text\">Harald Oelerich als Privatfahrer 1949 beim Rennen in M\u00fcnchen-Riem mit seiner Pionier mit der Startnummer 62.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Was danach geschah ist in kurzen Worten erkl\u00e4rt. Harald Oelerich war kein Mann von halben Sachen, Ende des Jahres 1949 kaufte er sich eine AJS 7R Boyracer \u00fcber den Importeur Lohmann &amp; Louis (die Vorg\u00e4ngerfirma vom heutigen Motorradzubeh\u00f6rh\u00e4ndler Louis) in Hamburg. Dieses Rennmotorrad war international in der 350er Klasse das Ma\u00df der Dinge und kostet ein kleines Verm\u00f6gen.<\/p>\n<p>Nach diesem AJS-Diskurs, der nur ein paar Monate andauerte, kontaktete er wieder ausf\u00fchrlich mit dem Horex-Leuten in Bad Homburg, fuhr das neue Modell Regina als Teilnehmer der Horex-Mannschaft bei der ADAC-Deutschlandfahrt mit einer Auszeichnung in Gold. Harald Oelerich wurde festangestellter Mitarbeiter, Rennfahrer und Versuchsingenieur der Horex Werke \u2013 es war sein Traumberuf, in den er all seine Energie investierte.<\/p>\n<p>Seine Kontake zu Victoria lies er nie ganz einschlafen und so wechselte er 1954 nach N\u00fcrnberg zu den Victoria Werken um, wie schon bei der Horex Regina, bei der Entwicklung der V35 Bergmeister ma\u00dfgeblich mitzuwirken.<\/p>\n<p>Aber das ist eine andere Geschichte \u00fcber die noch ausf\u00fchrlich berichtet werden soll.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger Teil 3 von 3 Nach der Rennsaison bekam er die M\u00f6glichkeit angeboten im Werk einen neuen Reservemotor zum Preis von 650 DM zu kaufen, mit dem Hinweis, das es sich um einen \u201enormalen und nicht um einen frisierten Motor handelt\u201c. 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