{"id":5476,"date":"2019-03-31T05:00:08","date_gmt":"2019-03-31T05:00:08","guid":{"rendered":"http:\/\/victoria-ig.de\/?p=5476"},"modified":"2019-04-03T20:22:05","modified_gmt":"2019-04-03T20:22:05","slug":"kr-35-pionier-im-rennsport-i","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/victoria-ig.de\/?p=5476","title":{"rendered":"KR 35 Pionier im Rennsport I"},"content":{"rendered":"<p><strong>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger<\/strong><\/p>\n<p>Teil 1 von 3<\/p>\n<p>Der Pionier-Motor hatte offensichtlich das Potential zu mehr, als nur in einem biederen Alltagsmotorrad durch die Welt zu tuckern. Es brauchte nur die Menschen, um dieses Potential auszusch\u00f6pfen und mit den richtigen Ma\u00dfnahmen zur Leistungssteigerung die Mehr-PS herauszukitzeln. Da man bei Victoria schon ab 1939, also schon ein halbes Jahr nach Produktionsbeginn, mit R\u00fcstungsauftr\u00e4gen in Form der Pionier KR 35 WH\u00a0 ausgelastet war und im gleichen Jahr der 2.Weltkrieg seinen unheilnehmenden Anfang fand, war an eine echte Rennsportversion f\u00fcr die Stra\u00dfe werksseitig nicht zu denken.<\/p>\n<p><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"aligncenter size-large wp-image-5483\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"460\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-1024x714.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-300x209.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-768x536.jpg 768w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport-150x105.jpg 150w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/pionier_titel_rennsport.jpg 1329w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><\/p>\n<p>Nach dem Krieg sah die Welt komplett anders aus. Die deutschen St\u00e4dte waren zerst\u00f6rt und die Industrieanlagen, so sie den Bombenangriffen \u00fcberstanden hatten, wurden von den Siegerm\u00e4chten demontiert. Die Menschen hatten andere Sorgen als Motorradrennen, etwas zu Essen auf dem Tisch und ein Dach \u00fcber dem Kopf waren die \u00fcberlebensnotwendigen Dinge die organisiert werden mussten. Und doch gab es Motorsportverr\u00fcckte die sich ihre Leidenschaft \u00fcber den Krieg hinaus bewahrt haben und die darauf brannten endlich wieder loszulegen. Es dauerte auch nicht lange bis die ersten Motorradrennen veranstaltet wurden. Es waren keine Gel\u00e4ndesportveranstaltungen mit Serienmaschinen zur Wehrert\u00fcchtigung wie vor dem Krieg, davon hatten die Menschen die Nase voll, sondern Stra\u00dfenrennen die oftmals in den eben erst von Bombenschutt freiger\u00e4umten Innenst\u00e4dten organisiert wurden. Diese Rennen waren echte Publikumsmagnete, die Zuschauerzahlen schwankten je nach Veranstaltungsort zwischen 25.000 und 100.000. Die Menschen wollten nach den entbehrungsreichen Kriegsjahren wieder so etwas wie Freizeit erleben. Es gab wohl hier und dort wieder etwas Benzin zu kaufen, was es aber nicht gab, waren neue Rennmotorr\u00e4der. Es gab nicht eimal eine funktionierende Serienproduktion von Alltagsmaschinen. Wer also eine echte Rennmaschine in den Wirren der Zeit verstecken konnte und diese den Krieg \u00fcberstanden hatte, konnte diesen Schatz jetzt wieder ans Tageslicht holen. Bis Anfang der 50er Jahre die deutschen Motorradfabriken langsam wieder in die G\u00e4nge kamen, basierten alle Rennmaschinen auf Vorkriegsmaterial, es war also rennsporttechnischer Stillstand \u00fcber einen Zeitraum von \u00fcber 10 Jahren.<\/p>\n<figure id=\"attachment_5480\" aria-describedby=\"caption-attachment-5480\" style=\"width: 660px\" class=\"wp-caption aligncenter\"><a href=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem.jpg\"><img loading=\"lazy\" decoding=\"async\" class=\"wp-image-5480 size-large\" src=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-1024x678.jpg\" alt=\"\" width=\"660\" height=\"437\" srcset=\"https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-1024x678.jpg 1024w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-300x199.jpg 300w, https:\/\/victoria-ig.de\/wp-content\/uploads\/2019\/03\/1949_Flugplatzrenennen_MuenchenRiem-768x508.jpg 768w\" sizes=\"auto, (max-width: 660px) 100vw, 660px\" \/><\/a><figcaption id=\"caption-attachment-5480\" class=\"wp-caption-text\">Harald Oelerich als Privatfahrer 1949 beim Rennen in M\u00fcnchen-Riem mit seiner Pionier mit der Startnummer 62.<\/figcaption><\/figure>\n<p>Einer dieser Motorsportinfizierten brannte darauf wieder Rennen zu fahren: Harald Oelerich. Geboren am 21. 9.1921, aufgewachsen in der Kleinstadt Markkleeberg s\u00fcdlich von Leipzig, sammelte er dort schon mit 17 Jahren erste motorsportliche Erfahrungen bei Gel\u00e4ndewettbewerben die vom NSKK (Nationalsozialistisches Kraftfahrer Korps) organisiert wurden. Mehrere Siegerpl\u00e4tze fuhr er auf seiner Aero KR 25 S heraus. Daraufhin bekam er im September 1938 vom Victoria-Werk eine Bronzene Plakette f\u00fcr seine Erfolge \u00fcberreicht.<\/p>\n<p>Die Begeisterung f\u00fcr Motoren war ihm vom Vater in die Wiege gelegt worden. Oberingenieur Heinrich Oelerich legte 1910 als 37. deutscher Flugzeug\u00fchrer seine Pilotenpr\u00fcfung ab. Er arbeitete als Konstrukteur und Chefpilot bei der Deutschen Flugzeug GmbH in Leipzig. Im Juli 1914 stellt er mit einer DFW-CV mit 8150 Metern einen neuen H\u00f6henflugrekord auf.<\/p>\n<p>Der Sohn Harald studierte Maschinenbau im Schnellstudium und war schon 1939 als Werkstudent w\u00e4hrend der Semesterferien zwei Monate bei Victoria. Dann waren zwei Jahre Wehrdienst angesagt, er wurde zur MAN geholt, anschlie\u00dfend zur Torpedo-Versuchsanstalt nach Eckernf\u00f6rde, wo er bis Kriegsende blieb.<\/p>\n<p>Nach dem Krieg zog die Familie nach Freising bei M\u00fcnchen; Harald war mittlerweile 26 Jahre alt und in seinen besten Jugendjahren hatte er nur Krieg erlebt. Irgendwie hatte er seine Aero KR 25 S \u00fcber den Krieg gerettet und er schaffte es auch 1947 eine Victoria Pionier zu bekommen. Vermutlich war es eine Vorkriegsmaschine und keine der ca. 500 Pioniere die nach dem Krieg bei Victoria zusammengeschraubt wurden; in einem Brief erw\u00e4hnt Oelerich als Baujahr 1939. Sein Plan muss von Anfang an gewesen sein mit dieserm Motorrad bei Rennveranstaltungen mitzufahren.<\/p>\n<p>Auf Anfrage im Werk nach einem Rennb\u00fcgel f\u00fcr den Hinterradkotfl\u00fcgel wird ihm zwar gesagt das dieser nicht lieferbar sei, aber es wurde einer f\u00fcr ihn angefertigt und f\u00fcr 12 Reichsmark plus Porto und Verpackung zugeschickt. Die Bestelllisten des Jahres 1947 von Pionier-Ersatzteilen, die er direkt ans Werk nach N\u00fcrnberg schickte, werden immer l\u00e4nger: Ventilfedern, Dichtungen, Fu\u00dfrasten, Kolbenbolzen und -b\u00fcchsen, Steckachse, Bowdenz\u00fcge, Spezialabzieher, Kupplungsfeder usw. usw. &#8230;.und zu guter letzt: ein wenig Victoria-graue Farbe. Der Anfrage nach dem Lack konnte leider nicht erf\u00fcllt werden, weil, so w\u00f6rtlich \u201e..uns die Beschaffung desselben augenblicklich gr\u00f6\u00dfte Schwierigkeiten bereitet\u201d. Wegen Beschaffung von Ketten und Getriebeteilen verweist das Werk direkt an die Hersteller Ruberg &amp; Renner in Hagen, sowie GETRAG, Getriebe- und Zahnradfabrik, Ludwigsburg.<\/p>\n<p>Ende Teil 1 von 3<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Text und Bildmaterial Archiv Manfred E. Sprenger Teil 1 von 3 Der Pionier-Motor hatte offensichtlich das Potential zu mehr, als nur in einem biederen Alltagsmotorrad durch die Welt zu tuckern. Es brauchte nur die Menschen, um dieses Potential auszusch\u00f6pfen und mit den richtigen Ma\u00dfnahmen zur Leistungssteigerung die Mehr-PS herauszukitzeln. 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